Da es in diesem Blog ja auch ein wenig um meine Hobbies gehen soll und weil ich am Wochenende ein altes Foto bekam, welches ich eigentlich schon vergessen hatte, wird heute wieder eine Geschichte aus der Vergangenheit für Unterhaltung sorgen.

Als George Lucas 1999 Episode I ins Kino brachte, war ich bei meiner allerersten Kino-Vorpremiere. Diese fand im Cinemaxx in Hamburg statt und es gab einen für mich ungewohnten Fanauflauf. – Ich habe ja schon an anderer Stelle geschildert, dass ich mich zu der Zeit erst seit kurzem stärker mit der Thematik befaßt hatte.
Viele der Fans kamen teilweise kostümiert in Jedi-Roben oder mit Lichtschwertern. Und da feststand, dass noch weitere Episoden aus der weit entfernten Galaxie zu erwarten wären, war für mich ab diesem Tag klar, dass ich zum Erscheinen von Episode II auch in einem Kostüm zur Premiere erscheinen würde. Dieses hatte ich dann Anfang 2002 bei Ebay ergattern können: Den Nachbau einer Stormtrooper-Rüstung.

Diese bestand nur aus den weißen Kunststoffteilen. Das bedeutete, dass ich den schwarzen Unteranzug und die Schuhe noch einmal selbst hinzufügen mußte. Die Hose war dabei recht schnell gefunden… Muttis Sportleggins! – Und nein, ich würde sie nie – nie nicht ohne irgendein anderes Beinbekleidungsstück anziehen! – Wenn überhaupt. Bei den Schuhen, bzw.  Stiefeln hatte ich größere Probleme. Ich hatte damals zwar ein paar hellere  Schnürschuhe, aber das war nichts für den Sternenkrieger. Weiße Lederschuhe, welche dem Original entsprachen waren mir zu teuer, also war ich auf der Suche nach einer günstigen Lösung. Mir fielen weiße Gummistiefel ein, die ich aber nirgends zu kaufen fand. Die üblichen Farben waren grün und gelb. Weiße hätte ich im Versand für Arbeitsbekleidung gefunden. Da die Vorpremiere  mittlerweile aber nur noch wenige Tage hin war, wollte ich die Gefahr zu langer Lieferzeiten nicht eingehen. Also kaufte ich mir grüne Gummistiefel und je eine Dose weißen und schwarzen Lackes, weil ich die Stiefel mit schwarzen Sohlen in Erinnerung hatte. Das Lackieren ging relativ flott von der Hand. Probleme gab es dann leider bei der Kombination von Gummistiefel und Unterschenkelpanzerung. Ich hatte nämlich nicht an den relativ weiten Stiefelschaft gedacht. Diesen konnte ich nicht mit den Beinschienen abdecken, da durch das dicke Gummi immer der schließende Klettverschluss aufgesprengt wurde. Also entschloss ich mich die Stiefel bis knapp über die Knöchel abzuschneiden. Dummerweise rutschte anschließend die Beinschiene ständig hoch und saß auf dem Stiefelrest auf. Naja, jedes große Experiment beginnt mit einem Fehlversuch. So wanderten die ersten Stiefel in den Müll und ich kaufte und lackierte ein weiteres Paar. Dieses Mal schnitt ich den Stiefelschaft aber nur an der Rückseite ein und band ihn mir mit Klebeband dicht an den Unterschenkel. Das passte und sah relativ gut aus.
Das nächste Problem war die Abdeckung des Halses. Im Filmoriginal handelte es sich wohl um eine Ledermanschette. Diese konnte ich nicht herstellen, also bekam ich von einer Arbeitskollegin einen Rollkragenpullover, der mir leider mindestens eine Nummer zu klein war. Ebenso konnte der Rollkragen meinen Hals nicht vollständig abdecken. Die Frau des Arbeitskollegen, der mich ins Kino begleiten wollte, schneiderte mir dankenswerterweise eine Art Unteranzug zum Rolli mit verlängertem Kragen. So waren dann also alle Vorbereitungen abgeschlossen, der Anzug war sehr knapp zur Vorpremiere von Episode II fertiggestellt, es konnte losgehen – Auf ins Getümmel!
Leider kam ein klein wenig dazwischen. Ich weiß gar nicht mehr warum, vielleicht lag es an der parallelen Herstellung des Anzuges, vielleicht habe ich es auch irgendwie verpennt, aber warum auch immer habe ich erst sehr kurzfristig die Karten vorbestellt. Für eine Vorstellung in Hamburg zu spät. Es waren scheinbar keine Karten mehr zu bekommen. Ich wollte schon alles abblasen, aber mein Arbeitskollege spornte mich an, einfach Karten in Stade zu reservieren. Dies war noch möglich. Also sollte es eben zur Vorpremiere nach Stade gehen. Entgegen meinen Bedenken, der aufwändigen Vorbereitungen zu Liebe, im Stormtrooper-Anzug.
Nun ist das Stader Klientel im Vergleich zum Hamburger wohl ein wenig… sagen wir, einfacher. – Kein einziger Kinobesucher erschien verkleidet. Ich war somit der einzige Honk in einem ansonsten gut besuchten Kino mit angeschlossener Bowlingbahn, Restaurants und einem großen, gut ausgeleuchteten Parkplatz der in Muttis alten Sportleggins, abgechnittenen Gummistiefeln und weißer Plastikverschalung ins Kino ging! Sofort nachdem ich das Auto verließ und die Plastikanbauten so zurechtgerückt hatte, dass es einen bekleideten Eindruck vermittelte, setzte ich mir meinen Helm auf und verbrachte bis zum Ertönen der Star-Wars-Fanfaren in von vielen Augen gut beobachteter Abgeschiedenheit. Eine Freundin kam noch vorbei um ein paar Fotos von den vielen verkleideten Fans zu machen. Was sie vor die Linse bekam war lediglich das hier:

Einsamer Trooper

Einsamer Trooper

Nachdem ich die Stufen zu unseren Plätzen aufgrund eingeschränkter Sicht mehr oder weniger hochgestolpert war mußte ich zu allem Überfluss auch noch feststellen, dass eine Rüstung nicht wirklich gut zum Sitzen geeignet war. Der Brustpanzer saß auf dem Unterleibsschutz auf und ich verbrachte den vollständigen Film in einer nahezu gewürgten Körperhaltung, weil mir der Brustpanzer ständig auf den Hals drückte.
Nun möchte ich diese Erfahrung nicht missen, aber auch auf keinen Fall noch einmal wiederholen. Auch wundere ich mich gar nicht mehr über den Stormtrooper, welcher sich im ersten Star-Wars-Film den Kopf an einem Türrahmen stößt. Die Statisten oder Stuntmen werden damals sicher kein leichtes Spiel gehabt haben.
Es handelt sich eben um Science Fiction und um ein großes Märchen. Niemand sollte wirklich glauben, in einem solchen Aufzug im wirklichen Leben ohne die Vorteile eines gut ausgeleuchten Bildausschnitts die gleiche Wirkung zu erzielen.

Eine Antwort auf Peinlich berührte Sturmtruppen

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