Fernsehen

Als ich heute von der Arbeit kam, schmiss ich, wie des öfteren Mal, meine Fernsehmaschine an. Und was musste ich dort Erschreckendes sehen? Da war ein junges Mädel mit ihrem Freund von zu Hause ausgebüxt und seit zwei Wochen auf der Flucht vor ihren Eltern, die diese Beziehung nicht billigen. Da nun der Freund im Alter von 23 Jahren war und das Mädchen im Alter von 13 Jahren haben die Eltern berechtigter Weise eine Anzeige gestellt, welche zu einer Fahndung und der Festnahme des Freundes führte. So weit, so weniger gut.
Mag man noch annehmen, die Eltern wären fürsorglich und verantwortungsvoll, so mag das nun folgende einigermaßen erschüttern. Den Eltern ist nämlich nichts besseres eingefallen, als in der Freude über die Rückkehr ihrer Tochter das Fernsehen ins Haus zu holen. Und dort sagt dann die Mutter, nachdem der Vater schon einen sehr bedrückten Kommentar von sich gab:

„Ich habe seit gestern Abend eigentlich ein ganz komisches Gefühl. Es ist so leer – Sie ist zwar wieder da – die Musik läuft – Irgendwo anwesend, aber doch… ich sag mal, sie ist abwesend auch irgendwo. Und mir als Mutter – ich hatte so einen richtigen Eisklotz die letzten Tage am Herzen aber der ist gestern Abend ganz ad hoc geschmolzen – Hätte gerne mit ihr gesprochen – sie in den Arm genommen aber es war halt eben  – sach mal, man hat’s dann nicht getan um nicht direkt mit der Tür ins Haus zu fallen.“

Naja, dafür fiel dann direkt am nächsten Tage das Fernsehen mit der Tür ins Haus und filmte die Tochter, wie sie mit den Hunden spielt, aber sicher nicht sehr gern wieder zu Hause ist, filmte sie auch, wie sie Briefe an ihren Freund schreibt, der nun wegen schweren Missbrauch und dem Entzug von Minderjährigen in Haft ist. Weiterlesen

Seit einiger Zeit hört man in den Werbeunterbrechung von Pro Sieben wieder folgenden Satz: „Die beste Comedy im Netz“. Gemeint ist die Internetseite brokencomedy.de. Davon angefixt habe ich mir die Sache mal ansehen wollen. Bei der BESTEN Comedy gehe ich natürlich davon aus, dass es nur sehr sehr wenig gibt, was besser ist – eigentlich gar nichts. Bei der BESTEN Comedy erwarte ich unerwartete Pointen und pfiffige Witze. Bei der BESTEN Comedy erwarte ich für meinen Geschmack kreative Ideen (und mein Geschmack ist sicher nicht so sehr abgehoben) und eine makellose Präsentation.

Wie sich meine Erwartungen in die dargebotenen Filmchen einfügt möchte ich anhand kurzer Inhaltsangaben darstellen.
Achtung! Es könnte sein, dass ich damit dem Leser die eine oder andere Pointe vorwegnehme… ich gehe aber eher nicht davon aus. Weiterlesen

„Wenn Ihnen diese Sendung gefallen hat, dann spenden Sie doch mit einer SMS an folgende Nummer 50 Cent.“

Dieser Satz klingt wie Bettelei, er klingt aber auch, wie das aufrichtige Bestreben eines Fernsehsenders, ein Programm zu gestalten, welches seinen Zuschauern gefallen könnte. Aber wer würde schon für gutes Fernsehen bezahlen wollen?
Also ich schon. Wenn ich Sendungen interessant finde, dann kaufe ich mir beispielsweise auch die entsprechende DVD dazu. Die Gefahr ist zwar groß, dass ich mir diese DVD nicht mehr ansehe, aber wer weiß, wenn etliche Jahre ins Land gegangen sind, vielleicht hole ich mir dann tatsächlich mal so eine Scheibe auf den Schirm. Für diesen Fall möchte ich gerüstet sein. Vielleicht habe ich aber auch die Hoffnung, mit dem Kauf einer guten DVD recht bald eine Fortsetzung oder ein ähnliches Programm genießen zu können.

Statt dessen wird aber oftmals nur irgendein Mist in die Glotze gekackt gesendet. Man scheint Vorauszusetzen, dass es mit der Intelligenz eines Zuschauers, der sich so etwas ansieht nicht weit her sein kann. Deswegen wird nicht der eingangs geschriebene Satz hinter und während den meisten Sendung genannt, sondern dämliche Pseudorätsel.

Wie macht die Kuh? Muh oder Kikerikie? Woraus macht man Wein? Trauben oder Pflaumen?

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Stell dir vor, du schaust morgen Nachrichten und erfährst, dass die globale Erderwärmung nur eine Propagandalüge chinesischer Geheimdienste ist, um westliches Wirtschaftswachstum durch teure Umweltschutzmaßnahmen zu bremsen. Außerdem wird aktuell berichtet, dass in Frankfurt ein Bus mit Senioren auf Kaffeefahrt in eine Kindertagesstätte raste, in Brand geriet und dabei 30 Menschen leider Opfer der Flammen wurden. Aber die kleine, dreijährige Melanie hat das Flammeninferno überlebt. Einen Bericht über ihre Geschichte wird es am Abend in einer dieser Sendungen geben, in der Schicksalsschläge von Menschen zur Unterhaltung anderer medial aufbereitet werden. Aber zum Glück ist nicht alles schlecht, amerikanischen Wissenschaftlern ist es gelungen ein Rezept gegen Orangenhaut zu entwickeln und das lediglich in dem aufgekochter Mäusekot mit Magerquark vermengt und an den betroffenen Stellen aufgetragen wird.
Und dann sind die Nachrichten vorbei und neben der Werbung für die Bekleidung des Nachrichtensprechers steht:
„Alle handelnden Personen sind frei erfunden.“

Nicht lustig? Naja, aber das Publikum fühlte sich während der gesamten Nachrichtensendung bestimmt ausgezeichnet unterhalten. Weiterlesen

In den letzten Jahren hatte ich fast täglich das Vergnügen, mit der S-Bahn nach Hamburg zu fahren. Die auffälligsten Mitreisenden waren dabei zwei Gruppen. Zum einen Mädels mit Mobiltelefon und zum anderen Kumpels.

Die Mädels fallen meist dadurch auf, dass sie, während sie sich über ihr Mobiltelefon mit ihren Müttern oder besten Freundinnen austauschen, die vertraulichsten Gesprächsthemen in größtmöglicher Öffentlichkeit darstellen.
„Ey, schwör, dass du’s nicht weitererzählst, die wollte nur mit ihm ins Bett, ich schwör dir, ey.“
Die besagten Mädels gehörten fast grundsätzlich einer sehr verschworenen Gemeinschaft an.

Die andere Gruppe, die Kumpels, unterhielten sich meist über ihre Musikkarriere rap-technischer Natur, ihre Arbeit oder aber über die oben beschriebenen Mädels. Und zwar über beide, also diejenige diesseits und diejenige jenseits des Mobilfunknetzes. Wobei es sich bei der einen durchaus auch um die Mutter der anderen handeln könnte, aber auch das schrieb ich ja bereits.

Nun, ich habe eben wieder Werbefernsehen geguckt und bei einem Spot für Becel-Margarine stutzen müssen. Das Zeug ist ja nun gut für mein Herzalter. Das sagt dann auch der Sprecher dort: „Für ein jüngeres Herzalter.“
Ich mit meiner S-Bahn-Vorschädigung verstehe aber immer nur: „Für ein jüngeres Herz, Alter!“ Weiterlesen

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