Sprache

In den letzten Jahren hatte ich fast täglich das Vergnügen, mit der S-Bahn nach Hamburg zu fahren. Die auffälligsten Mitreisenden waren dabei zwei Gruppen. Zum einen Mädels mit Mobiltelefon und zum anderen Kumpels.

Die Mädels fallen meist dadurch auf, dass sie, während sie sich über ihr Mobiltelefon mit ihren Müttern oder besten Freundinnen austauschen, die vertraulichsten Gesprächsthemen in größtmöglicher Öffentlichkeit darstellen.
„Ey, schwör, dass du’s nicht weitererzählst, die wollte nur mit ihm ins Bett, ich schwör dir, ey.“
Die besagten Mädels gehörten fast grundsätzlich einer sehr verschworenen Gemeinschaft an.

Die andere Gruppe, die Kumpels, unterhielten sich meist über ihre Musikkarriere rap-technischer Natur, ihre Arbeit oder aber über die oben beschriebenen Mädels. Und zwar über beide, also diejenige diesseits und diejenige jenseits des Mobilfunknetzes. Wobei es sich bei der einen durchaus auch um die Mutter der anderen handeln könnte, aber auch das schrieb ich ja bereits.

Nun, ich habe eben wieder Werbefernsehen geguckt und bei einem Spot für Becel-Margarine stutzen müssen. Das Zeug ist ja nun gut für mein Herzalter. Das sagt dann auch der Sprecher dort: „Für ein jüngeres Herzalter.“
Ich mit meiner S-Bahn-Vorschädigung verstehe aber immer nur: „Für ein jüngeres Herz, Alter!“ Weiterlesen

Nun ist es mir ganze zwei Beiträge lang gelungen, mich in Sachen Spam um das naheliegendste Thema herumzudrücken. Aber nun wurde mein Widerstand von der Masse gebrochen. Heute geht es um Medizin. Das aktuelle Großwerk der Poesie wurde unter dem Titel „Realisiere das sexuelle Temperament“ verfasst. Bitte noch schnell das Licht dimmen und dann viel Spaß:

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3000 Pillen sind ein sehr begrenztes Angebot und der Leser ahnt es schon: Damit mir niemand die Dinger wegmümmelt habe ich natürlich wieder den Link ersetzt. Die gleiche Mail bekam ich übrigens auch schon mit dem Betreff  „15 Minuten und dich Sex der Meister“, den ich fast noch ein wenig poetischer fand.

Heute fand die Trauerfeier für Micheal Jackson statt. Er wurde öffentlich in einem Sportstadion in Los Angeles aufgebahrt und viele Interessierte konnte mit ihrem in einer Verlosung gewonnenen Eintritt diesem Schauspiel beiwohnen. Um den deutschen Fan etwas ähnliches zu bieten hat man eine Erfindung der letzten Fussballweltmeisterschaft wiederbelebt. Es gab in der O2-Arena in Berlin ein Public Viewing.
Was jetzt folgt kann ich leider nur aus dem Gedächtnis wiedergeben, man mag mir also Ungenauigkeiten verzeihen.

Pro7 hat in seiner „Nachrichtensendung“ heute Nachmittag auch von der Feier berichtet und dafür extra eine Korrespondentin vor dem Stadion gehabt… dem in Berlin, wenn ich mich recht entsinne. Und sie sagte so etwas wie: „In Amerika wird es nur die Trauerfeier im Staples Center geben, keine weiteren Public Viewings wie hier in Berlin.“

Und warum schreibe ich das hier auf? Nun schon zu Zeiten der WM fand ich es recht putzig, als ich erfuhr, dass der Begriff „Public Viewing“ im Englischen eigentlich für eine öffentliche Leichenschau benutzt wird. Auf der Seite Nothing for Ungood wurde das sogar mal sehr schön aufgeschrieben. Ist das nicht merkwürdig? Da braucht der Deutsche erst einen makabren Zufall, damit die englischen Worte, die er für deutsche Erfindungen erfindet, ihrer wahren Bestimmung zugeführt werden.

PS: Nachdem ich nun „Public Viewing“ noch einmal bei Wikipedia nachgeschlagen habe, weiß ich nun, dass „internationale Verbände“ auch gerne Sport statt Leichen schauen, wenn sie öffentlich was gucken. Bin aber eher geneigt auf den Artikel des Muttersprachlers zu vertrauen.

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